Dies war mein erster Gedanke bei der heutigen
Wollschaf-Frage:
Jede Masche in Reih’ und Glied oder einfach mal Fünfe gerade sein lassen – wie perfektionistisch bist Du bei Deinen Stricksachen?
Bist Du absolut penibel oder erlaubst Du Dir auch mal kleine Schlampigkeiten?
Zweiter Gedanke, gibts nur Schwarz oder Weiss?
Grundsätzlich hab ich recht hohe Ansprüche, nicht nur beim Stricken. So wie ich nähe, so stricke ich auch. Sprich die Teile müssen die richtige Schnittform haben, Nähte schön und gerade genäht sein. Fehler im Strickmuster werden korrigiert, wenns sein muss, lass ich dafür auch ein ganzes Teil wieder auf. Vor dem Zuschneiden kontrollier ich den Stoff ja auch auf Webfehler, damit ich die beim zuschneiden umschiffen kann.
Und so wie ich nähe, strick ich auch. Ich möchte gute Qualität, auch bei meinen Strickwerken.
Das heisst nun nicht, dass ich nicht auch da und dort mal trickse. Aber eben nur, wenn's wirklich nicht sichtbar ist. Vielleicht am besten mit dem Kochen vergleichbar: eine zu dünne Sauce mit einem Trick verdickt zu bekommen heisst kochen können. Eine angebrannte Sauce lässt sich nicht retten, die ist und bleibt misslungen, da hilft nur Neustart. Ungefähr so handhabe ich es mit meinen Handarbeiten. Schön reden nutzt nix, ein Fehler bleibt ein Fehler und verlangt Korrektur. Eine unschöne Naht wird aufgetrennt und neu genäht. Seh ich nicht als perfektionistisch an, sondern schlicht und einfach nötig für gute Qualität. Denn spätestens nach dem ersten Mal waschen zeigen sich die Mängel.
Viele können nicht verstehen, warum ich manchmal ganze Teile wieder aufribbel. Aber für mich zählt nun mal Qualität und nicht Quantität. Ich stricke unheimlich gern, aber das Ergebnis muss mir Freude machen, nicht die Menge an gestrickten Pullovern. Die schönen Strickstunden hab ich ja so oder so. Die Freude, wenns beim allfälligen Zweitanlauf dann zu stimmen kommt ist um ein vielfaches grösser. Die Bestätigung, dass es sich gelohnt hat gibt Befriedigung - es sich schön zu reden reduziert nur die Freude massiv und ist Selbsttäuschung.
Perfektion hat so einen negativen Touch bekommen. Warum? Einerseits wird erwartet, dass die Kaufwolle perfekt und fehlerlos ist, bei der eigenen Verarbeitung wird dann aber der Masstab viel tiefer angesetzt. Das geht für mich nicht auf. Bloss weil wir in einer schnelllebigen Zeit leben, heisst das noch lange nicht, dass alles schnell schnell fertig sein muss. Gute Qualität hat ihren Preis, was beim Handstricken ein mehr an Zeit und Geduld zu investieren müssen bedeuten kann.
Aber ich gebs zu, ich habe sehr hohe Ansprüche. Massen-Konfektion fällt bei mir zu 99% durch wegen der miserablen Verarbeitung. Ich hab Haute Couture gelernt und später in der Edel-Konfektion gearbeitet. Diese Qualität müssen meine Kleidungsstücke auch heute noch haben, meine Strickwerke gehören da dazu.
Wie handhabt ihr das?
Machen euch Strickteile mit Fehlern drin die gleich grosse Freude wie perfekt gelungene?
Stören euch Schummeleien oder gehören die für euch einfach dazu?