Mittwoch, 21. März 2012

Mit Schwarzdorn gefärbt

Normalerweise ist das Zurückschneiden der Sträucher die Arbeit meines Mannes. Aber dies Jahr ist alles anders. Mann hat Rücken, also muss Frau ran. Auf und rund um unser Grundstück wachsen irre viele Schwarzdorne.



Wir schneiden sie zeitig im Frühjahr ab damit unser Nachbar nicht sein Gift einsetzen kann. Diesmal hab ich vor dem Wegbringen der abgeschnittenen Teile erst in meine Färbebücher geschaut. Aha, die Rinde färbt.



Also hab ich die dickeren Teile aussortiert und erst mal die extrem spitzen und äussert schmerzhaften Dornen und Stacheln entfernt. Zwei Tage sass ich in der Küche und hab mit dem Sparschäler die Rinde abgeerntet. Mengenangabe hab ich nur für trockene Rinde gefunden, also durften meine auch erst ihre Feuchtigkeit an die Luft abgeben.
Zum Glück hab ich soviel abgeschält, getrocknet sind sie etwa so leicht wie Zwiebelschalen und ergo ne Riesenmenge davon nötig.



Tatsächlich hab ich die gewünschte Menge zusammen bekommen. Um alle Rindenteile in Wasser einlegen zu können brauchte ich allerdings mehrere Eimer.



Nachdem sie die zuvor an die Luft abgegebene Feuchtigkeit wieder aufgenommen haben hab ich alles in meinen grossen Pott verfrachtet und ausgekocht. Farblich sah es aus wie Tee und hat tatsächlich auch so lecker geduftet.

Mangels freiem Eimer die Wolle klassisch mit Alaun gebeizt und nun endlich konnte ich mit dem Färben starten. Aufregung und Spannung! Was für eine Farbe werd ich damit erzielen?

Eine total schöne und nie im Leben erwartete Färbung. Links eine Strange des ersten Zuges, rechts eine aus dem zweiten.



Mein Mann hat mit seiner Vermutung recht behalten: die Farbe ist wie die, die das dickere Holz nach dem Absägen an der Schnittkante entwickelt. Find ich total interessant.

Falls ihr jetzt Lust verspürt Schwarzdorn im Garten zu pflanzen: Überlegt es euch gut! Einerseits ist er leider sehr anfällig für Feuerbrand und andererseits wuchert er wie Brombeeren; einen abschneiden und es wachsen mindestens zwei neue nach.

Auf die andere Seite bieten seine Beeren Winterfutter für die Vögel. Deshalb lassen wir den grossen Mutterstrauch stehen. Jungpflanzen haben wir eh jedes Jahr auf Neue und so kann ich diese Färberei wiederholen. *freu*

Kommentare:

  1. Ich bin immer wieder fasziniert mit welchen Naturprodukten welches Endergebnis rauskommen *staun*

    Der erste Zug gefällt mir wahnsinnig gut - der zweite wäre mir ein wenig zu hell. Aber zusammen verstrickt (oder abwechselnd) stell ich mir das Farbspiel wieder wunderschön vor ♥

    Toll - und ein großes Danke für den ausführlichen Bericht!

    Knuddelgrüße nima

    Und gute Besserung für deinen Schatz!

    AntwortenLöschen
  2. Eine ganz tolle Färbung hast du erziehlt.
    LG Hannelore

    AntwortenLöschen
  3. .........danke für deinen ausführlichen Bericht. ich habe ihn mit großem Interesse gelesen.
    Die Farbe ist Überraschung pur und gefällt mir sehr gut.

    Liebe Grüße Traudel

    AntwortenLöschen
  4. Tolle Verbindung, im Garten wirbeln und gleich noch nebenbei Färben.
    Klasse Farben.
    LG Sheepy

    AntwortenLöschen
  5. Wunderschön!!! Sieht auf den ersten Blick aus wie eine Sandelholzfärbung.
    LG
    Sabine

    AntwortenLöschen
  6. was für eine arbeit!! aber das ergebnis ist echt verblüffend...was für eine färbekraft in so einer harmlos aussehenden rinde steckt - unglaublich - ich liebe die farbe!

    *daumen hoch und weiterfärben :)

    liebe grüße sylvia

    AntwortenLöschen
  7. Toll! Unglaubliche Farbe! Mein Schlehdorn ist vorletztes Jahr eingegangen. Hätte ich gewusst, dass die Rinde noch brauchbar ist..
    Naja, sieht aber auch mühselig aus.
    Viele Grüße
    Angela

    AntwortenLöschen
  8. Ich hätte nie im Leben diese schöne Farbe erwartet.Toll,toll,toll.
    Lieben Gruß,Sabine

    AntwortenLöschen
  9. Schöne Farbe, weißt du schon was du damit anstellst (-;

    AntwortenLöschen
  10. Die Farbe ist wirklich wunderbar, hast Du auch einen 3. Zug gefärbt? Ich hatte mal die Beeren im Wasser einige Tage eingeweicht, beim abkochen haben sie sehr süß geduftet und haben die Bienen angelockt beim Trocknen. Die Farbe war danach so blaulila, jedoch etwas heller als erwartet.

    Deine praktischen Strickhelfer auf der rechten Leiste sind ja super, hätte ich das früher gewußt, danke für die links.
    LG Lesley

    AntwortenLöschen
  11. Wechseln wir doch mal das Thema, dass Du ein Färbewunder bist, liebe Alpi, das ist ja bekannt, aber weißt Du, was für ein lecker Likörchen die Beeren geben? Allerdings muss man aufpassen, die sind oft madig, was die ganze mühselige und stachlige Ernte dann für die Katz sein lässt....
    Liebe Grüße
    Regina

    AntwortenLöschen
  12. Dankeschön :-)

    Ach Froggie, bei uns verstauben die Flaschen in der Hausbar da wir praktisch nie Alkohol trinken. Da lass ich doch die Beeren inklusive den Maden lieber den Vögeln. Die mögen beides *g* und sind eh schneller als ich mit ernten. ;-)

    Salasabil: Erst mal dürfen sie einfach Deko sein. Wenn sie verstrickt werden wollen sagen sie es mir sicher zu gegebener Zeit.

    SilviaS: Natürlich ist es viel Arbeit, wie jede Färbedroge wenn man sie selber sammelt. Kaufen ist zwar einfacher und manchmal ist es auch gar nicht anders möglich an sie ran zu kommen. Aber das Erlebnis vom Ernten über die ganze Vorbereitung bis zum endgültigen Ergebnis ist eine wundervolle Erfahrung.

    Liebe Grüsse
    Alpi

    AntwortenLöschen
  13. Ah, sorry, wollt ich ja auch noch fragen:
    Lesley, wie ist die Lichtechtheit der Beerenfärbung? Beeren und Früchte sind ja allgemein nicht besonders stabil. ;-)

    Liebe Grüsse
    Alpi

    AntwortenLöschen
  14. Das ist ja wieder ein feines Färbeabenteuer mit wundervollem Ergebnis! Es lässt mein Herz gleich höher schlagen. ;)
    Herzliche Grüße
    Jana

    AntwortenLöschen
  15. Liebe Alpi,
    wirklich wunderbar, was Ihr da so alles aus der Natur herauskitzelt!!! So eine wunderbare Färbung!
    Da gratuliere ich gerne zum Erfolg für all die Mühe!
    Lieben Gruss
    moni

    AntwortenLöschen
  16. Ich bin immer wieder beeindruckt und erstaunt zugleich was mit Naturfärbungen alles möglich ist. Die Farbe ist total schön geworden. Eigentlich habe ich beschlossen, dass Färben nicht meins ist, wenn ich dann aber solch schönen Ergebnisse sehe, dann juckt es doch so ein wenig in den Fingern :-)
    Lieben Gruß Sabine

    AntwortenLöschen
  17. oh das ist ja eine Bombenfärbung, ich liebe orange Töne,also im Garten werkeln dabei Färbepflanzen "ernten" das spricht auch meine Färbelust an. Das mit dem ewigen Schälen hat sich ja echt gelohnt. LG Anke

    AntwortenLöschen
  18. Nach solcher Arbeit wurdest Du richtig toll von Mutter Natur belohnt. Rindenfärbung ist so mühsam und dann das Ergebnis. Eine schöne restliche Woche, ich habe noch Apfelzweige zu liegen. Liebe Grüsse Katja

    AntwortenLöschen
  19. das ja echt ein ding, ich hätte niemals erwartet bei diesen beeren so einen farbton zum schluss hier zu sehen.
    sowas von klasse, das wär genau meins.
    lieben gruß und ein fröhliches wochenende wünscht
    flo

    AntwortenLöschen
  20. Dankeschön :-)

    Flo: Ich hab nicht mit den Beeren sondern mit der Rinde gefärbt.

    Liebe Grüsse
    Alpi

    AntwortenLöschen
  21. Wenn ich mir so das Ergebnis betrachte, dan hat sich die Arbeit gelohnt.
    Wunderschöne unerwartete Farben.

    Begeisterte Grüße
    Angel

    AntwortenLöschen

✿ Achtung: Kommentare werden nicht mehr freigschaltet ✿